Warum Suchtalarm?

Ich bin Rick.

Suchtalarm ist aus einer ziemlich einfachen Frage entstanden:

Was hätte ich selbst gebraucht, als ich noch nicht wusste, wie mein Weg aussehen kann?

Ich kenne Alkoholabhängigkeit nicht nur aus Büchern oder Seminaren. Ich bin selbst abhängig und lebe heute abstinent.

Bis ich an diesem Punkt angekommen bin, war es kein gerader Weg. Und meine Geschichte mit Alkohol begann auch nicht erst mit den Entzügen.

Schon etwa 15 Jahre vorher war ich ein Grenzgänger. Mein Umgang mit Alkohol war damals bereits problematisch und führte mich für drei Monate in eine Tagesklinik.

Danach ging es lange weiter. Nicht, weil ich nichts verstanden hätte. Aber Erkenntnis ist nicht automatisch Veränderung. Mit der Zeit werden die Schultern manchmal wieder breiter. Man glaubt, man habe die Sache inzwischen im Griff, überschätzt sich und findet ziemlich überzeugende Erklärungen dafür, warum es diesmal anders ist.

Bei mir war es das nicht.

Jahre später folgten zwei qualifizierte Entzüge, eine mehrmonatige medizinische Rehabilitation, Nachsorge und schließlich die Selbsthilfe. Heute lebe ich abstinent.

Diese Erfahrungen haben mir vor allem eines gezeigt:

Sucht beginnt nicht erst an dem Tag, an dem jemand eine Diagnose bekommt. Und Veränderung beginnt nicht zwangsläufig erst dann, wenn alles zusammengebrochen ist.

Menschen stehen an ganz unterschiedlichen Punkten. Manche wissen längst, dass sie ein Problem haben. Andere beginnen gerade erst, sich Fragen zu stellen. Und wieder andere machen sich Sorgen um einen Menschen, der ihnen wichtig ist.

Deshalb soll Suchtalarm kein Ort sein, an dem dir jemand erklärt, welchen Weg du gehen musst.

DEN einen richtigen Weg gibt es nicht.

Ich werde dir hier auch nicht erzählen, dass ich die Lösung für dich kenne. Die kenne ich nicht.

Was ich kann, ist meine eigene Erfahrung mit dem Wissen von Menschen zu verbinden, die sich professionell mit Sucht beschäftigen. Informationen verständlich machen. Möglichkeiten zeigen. Fragen stellen. Und dir helfen herauszufinden, wo du gerade stehst und was ein nächster Schritt sein könnte.

Ich bin kein Arzt und kein Suchttherapeut. Wo es um medizinische, therapeutische oder andere fachliche Fragen geht, soll Suchtalarm deshalb nicht meine persönliche Meinung zur Wahrheit erklären. Solche Inhalte müssen fachlich fundiert sein und sollen dort, wo es notwendig ist, von Menschen geprüft werden, die sich damit auskennen.

Aber ich kenne auch die andere Seite.

Ich weiß, wie es ist, wenn man eigentlich längst etwas verstanden hat und trotzdem weitermacht. Ich kenne Behandlung, Rehabilitation, Nachsorge und Selbsthilfe nicht nur aus Beschreibungen. Und ich weiß, dass ein Weg nicht dadurch wertlos wird, dass man unterwegs stolpert oder eine Richtung noch einmal ändern muss.

Suchtalarm soll deshalb mit der Zeit wachsen. Mit Fachwissen, Erfahrungen, Gesprächen und auch mit Kritik.

Nicht, um dir zu sagen, wer du bist.

Nicht, um dir eine Diagnose zu geben.

Und nicht, um für dich zu entscheiden, was du tun sollst.

Sondern um dir dabei zu helfen, zu verstehen, Möglichkeiten zu entdecken und vielleicht einen ersten Schritt zu machen.

Welcher Schritt das ist, entscheide nicht ich.

… du bist der Weg.